Europeana Regia, eine kollaborative digitale Bibliothek königlicher Handschriften

Hauptziel des Projekts Europeana Regia ist es, die wichtigsten königlichen Handschriftensammlungen Europas aus der Zeitspanne vom Mittelalter bis zur Renaissance in Form einer virtuellen Bibliothek zu rekonstruieren. Das Projekt wird sowohl für die Forschung als auch für die interessierte Öffentlichkeit den Zugriff auf diese seltenen und kostbaren Dokumente bieten. Dies wird ab 2012 über etablierte Internet-Plattformen wie Gallica, Belgica, Manuscripta Mediaevalia und Europeana möglich sein.

Unter Federführung der Bibliothèque nationale de France (BnF) arbeiten für das Projekt Europeana Regia fünf europäische Bibliotheken zusammen: Die Bayerische Staatsbibliothek München (BSB), die Biblioteca Històrica der Universität València (BHUV), die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (HAB) und die Koninklijke Bibliotheek van België – Bibliothèque royale de Belgique (KBR). Das Projekt umfasst fast neunhundert Handschriften, die für das politische, kulturelle und künstlerische Erbe Europas repräsentativ sind.

Es konzentriert sich auf die Digitalisierung von drei Gruppen von Handschriften, die sich heute in unterschiedlichen Bibliotheken verschiedener Mitgliedsstaaten der EU, also räumlich voneinander getrennt, befinden: Karolingische Handschriften, die Handschriften der Bibliothek des Louvre in der Zeit Karls V. und Karls VI. von Frankreich und die Bibliothek der aragonesischen Könige von Neapel. Darüber hinaus werden begleitend verschiedene Themen behandelt, so etwa die Festlegung von Standardworkflows, die von den kooperierenden Bibliotheken zu befolgen sind (im Hinblick auf die Digitalisierung, die Organisation der Metadaten, die Aspekte der Mehrsprachigkeit), die Erstellung von Metadaten in Katalogisierung und Indexierung und den Digitalisierungsprozess selbst.

Bibliotheca Carolina

Unter den 425 Handschriften, die für das Projekt Europeana regia ausgewählt wurden, befinden sich Meisterwerke der wichtigsten Abteien und bischöflichen Schulen des Karolingerreiches, darunter die Reichenau, Saint-Denis, Corbie, Reims, Saint-Amand, Freising und Weißenburg (Wissembourg). Diese Handschriften sind Zeugen für die intellektuelle und künstlerische Vitalität dieser Zentren des religiösen Lebens, der kirchlichen und kaiserlichen Macht sowie deren wechselseitige Beeinflussung im Hinblick auf Texte und künstlerische Vorbilder.

Bibliothek König Karls V. und dessen Familie

Die Bibliothek Karls V. und dessen Familie umfasst 163 Handschriften, die einst zur königlichen Sammlung zählten, und auch einige Handschriften aus den Bibliotheken der Brüder des Königs – Johanns, des Herzogs von Berry und Ludwigs von Orléans, die beide berühmte Bibliophile waren. Sie stellt eine der außergewöhnlichsten Sammlungen von illuminierten Handschriften des 14. Jahrhunderts dar und illustriert die Verbreitung von Texten, die von zentraler Bedeutung für die aristokratische Kultur waren, wie die Abschriften an den Höfen Frankreichs, Englands, Flanderns und Burgunds eindrucksvoll belegen.

Bibliothek der aragonesischen Könige von Neapel

Als echte Staatsbibliothek weist diese beeindruckende Sammlung von 282 Handschriften eine einzigartige Konzentration von Meisterwerken der französischen, venezianischen, neapolitanischen, lombardischen und spanischen Illuminationskunst auf. Sie hat Symbolkraft für die kulturelle Einheit Europas auch jenseits aller politischen Grenzen.

 

Europeana Regia project brochure: